30 Jahre Deutsch-Niederländischer Übersetzungs- und Literaturwettbewerb: „30 Jahre, 30 Bücher“

1993 trug die Deutsche Internationale Schule Den Haag ihren ersten literarischen Übersetzungswettbewerb aus, die Aufgabe war ein Text aus dem Buch „Lehmanns Erzählungen“ von Siegfried Lenz.
 
Wir stellen Ihnen in einer neuen Reihe alle 30 Bücher des Wettbewerbs vor!

1. Siegfried Lenz: Lehmanns Erzählungen (1993)

Siegfried Lenz erzählt mit Leichtigkeit und feinem Humor eine Novelle von zeitloser Aktualität: Schwarzhändler Lehmann erinnert sich wehmütig an seine goldenen Tage auf dem blühenden Schwarzmarkt im Hamburg der Nachkriegsjahre, der durch die Währungsreform jäh zum Erliegen kam.

Siegfried Lenz: Lehmanns Erzählungen oder So schön war mein Markt – Aus den Bekenntnissen eines Schwarzhändlers , 1964, 112 Seiten, Hoffmann und Campe, ISBN: 978-3-455-00185-3

Foto: Hoffmann und Campe

Link: Video „Siegfried Lenz – Der Geschichtenerzähler“, YouTube, 9. Oktober 2014, 11 Minuten


2. Martin Walser: Ehen in Philippsburg (1994)

Wie Hans Beumann nach seinem Studium »ins Leben tritt«: Er zieht nach Philippsburg in ein Zentrum ungekränkten westdeutschen Wirtschaftswunders. Er verkehrt mit Anwälten, Chefredakteuren, Rundfunkintendanten, Industriellen – mit Menschen, die sich selber ihr kleines Privatglück inszeniert haben. Den kritischen Zustand dieser bereits wieder restaurativ stabilisierten Gesellschaft zeigen die Ehen der Erfolgreichen.

Martin Walser: Ehen in Philippsburg, 1985, 352 Seiten, Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-518-37709-3

Foto: Suhrkamp Verlag

Link: Video „Literatur im Foyer Quartett über Martin Walser“, YouTube, 25. März 2012, 58 Minuten


3. Christa Wolf: Sommerstück (1995)

Einen Sommer auf dem mecklenburgischen Land erlebt die Schriftstellerin Ellen, zusammen mit Familie und Freunden. Der gesellschaftliche Stillstand ist Ende der siebziger Jahre deutlich zu spüren, aber für die Dauer einiger weniger Monate, die in der Erinnerung einmalig und endlos scheinen, entsteht hier eine lebendige Gemeinschaft. Sommerstück ist die Geschichte eines Jahrhundertsommers und zugleich der Abgesang auf eine politische Utopie.

Christa Wolf: Sommerstück, 2008, 233 Seiten, Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-518-45941-6

Foto: Suhrkamp Verlag

Link: Interview mit Sarah Kirsch und Christa Wolf im Deutschlandfunk am 8. November 2019: „Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt“, 6 Minuten,


4. Jurek Becker: Amanda Herzlos (1996)

„›Amanda herzlos‹ ist Liebesgeschichte, Zeitbild, Entwicklungsroman und Literatursatire, in dem der Niedergang eines vielgeschmähten Staates am Schicksal einer Frau mit der professionell geführten Feder ihrer Liebhaber geschildert wird.“
Michael Bauer, Süddeutsche Zeitung

Jurek Becker: Amanda Herzlos, 1994, 384 Seiten, Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-518-38795-5

Foto: Suhrkamp Verlag

Link: Bericht auf Literaturzeitschrift.de


5. Peter Bichsel: Kindergeschichten (1997)

Sieben Geschichten für große und kleine Kinder, für Leser, die nicht aufgehört haben zu fragen, was wäre, wenn. Sieben Geschichten, in denen sonderbare Käuze, scheiternde, lächerliche Rebellen, Nachfahren des Ritters von der traurigen Gestalt es wagen, der Unabänderlichkeit des Bestehenden Schwierigkeiten zu machen. Da ist ein Mann, der weiß, aber nicht glaubt, daß die Erde rund ist; da ist einer, der allen Dingen neue Namen gibt, so daß er von den anderen nicht mehr verstanden wird. Einer, der behauptet, Amerika gibt es gar nicht; oder da ist der Erfinder, der lauter Sachen erfindet, die es schon gibt. Da ist der Mann, der den ganzen Fahrplan auswendig weiß, ohne je gereist zu sein, und der, als er sieht, daß man am Schalter ebensoviel weiß, anfängt, alle Treppenstufen der Welt zu zählen, um etwas zu wissen, was niemand sonst weiß.

Peter Bichsel: Kindergeschichten, 1997, 96 Seiten, Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-518-39142-6

Foto: Suhrkamp Verlag

Link: Jella Haase liest „Kindergeschichten“ von Peter Bichsel, 26. Mai 2020, YouTube, 11 Minuten


6. Hans Magnus Enzenberger: Kiosk (1998)

„Der Kiosk an der nächsten Straßenecke – nach außen hin hat er vielerlei zu bieten. Innen, im Halbdunkel, sitzt ein Mann oder eine Frau, was die sich denken, steht auf einem anderen Blatt. Früher freilich waren Kioske nicht im Zentrum der Städte zu finden, sondern in stillen Parks und weitläufigen Gärten. Hans Magnus Enzensbergers Gedichte sind an beiden Orten angesiedelt. Sie nehmen die grellen Widersprüche und die bunten Lügen einer maroden, marodierenden Zivilisation ebenso auf wie jenes meditative Hintergrundrauschen, das nur im Abseits zu vernehmen ist. Mit irritierender Leichtigkeit bewegt sich diese Poesie zwischen dem Wunder und der Katastrophe. Vom intimen Detail bis zur kosmischen Totale – und umgekehrt – ist es für diesen Autor nur ein kleiner Schritt.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Hans Magnus Enzensberger: Kiosk, 2018, 134 Seiten, Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-518-24156-1

Foto: Suhrkamp Verlag

Link: Buchseite mit Leseprobe


7. Herta Müller: Herztier (1999)

Herta Müllers zweiter Roman »Herztier«, 1994 erstmals erschienen, zeichnet ein unvergessliches Bild eines totalitären, menschenfeindlichen Staates und den elementaren Gefühlen seiner Bewohner: allgegenwärtige Angst und rauschhafte Liebe, gefährdete Freundschaft und schwarzer Hass. Zugleich entsteht unter den Augen des Lesers ein Sprachkunstwerk von ganz eigener Poesie und Schönheit – metaphernreiche, magische Prosa. Spätestens mit diesem Roman wurde Herta Müller zu einer der bedeutendsten und eigentümlichsten Autorinnen der deutsprachigen Literatur und in ihr eine absolut unverwechselbare und originelle Stimme.

Herta Müller: Herztier, 1994, 256 Seiten, FISCHER Taschenbuch Verlag, ISBN: 978-3-596-17537-6

Foto: FISCHER Taschenbuch Verlag

Link: „Herta Müller – Gespräche, Reden und ein Portrait“, YouTube, Playlist mit elf Videos


8. Peter Härtling: Nachgetragene Liebe (2000)

Neben den Künstlerromanen bilden die autobiographischen Romane einen wesentlichen und einflussreichen Teil des Werkes von Peter Härtling.

Im Mittelpunkt der autobiographischen Erkundungen Härtlings stehen immer wieder die Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus und dem Nachkrieg, die Rolle des Vaters als Anwalt im damaligen Protektorat Böhmen, dessen Bedeutung der Sohn erst nach dem unglücklichen Tod des Vaters wirklich ermessen konnte, und die Verzweiflung der Mutter, die sich kurz nach Kriegsende umbrachte und ihre Kinder einem ungewissen Schicksal überließ.

Wie Individualität, Befindlichkeit und Geschichte ineinandergreifen, wie man mutig und sensibel mit der deutschen Geschichte, in die man verstrickt bleibt, umgehen kann und wie sich daraus eine schriftstellerische Biographie entfaltet – das drücken diese Bücher direkt und indirekt auf eine beispielhafte und eindrucksvolle Weise aus, die für das autobiographische Schreiben zugleich stilbildend gewirkt hat. Ein wesentlicher Teil des Werkes von Peter Härtling sind seine autobiographischen Romane. Sie sind beispielhaft für einen mutigen und sensiblen Umgang mit deutscher Geschichte und der eigenen Biographie, deren Gesetze und Verstrickungen tastend und fragend erkundet werden. Auf diese Weise sind die autobiographischen Romane stilbildend geworden.

Peter Härtling: Autobiographische Romane – Zwettl /Nachgetragene Liebe /Der Wanderer /Herzwand, 1996, 644 Seiten, Kiepenheuer&Witsch, ISBN: 978-3-462-02608-5

Foto: Kiepenheuer&Witsch

Link: Peter Härtling zu Gast bei „3 kluge Köpfe“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, YouTube, 30 Minuten


9. Monika Maron: Geburtsort Berlin (2001)

Berlin ist bekannt für seine Kneipen, seine Hunde, die berüchtigte Berliner Schnauze und natürlich für die Mauer, die es aber nicht mehr gibt. Berlin und die Berliner: ein idealer Gegenstand für Monika Maron. Sie hat den größten Teil ihres Lebens in dieser Stadt verbracht, kann sich für Berlin-Ost wie Berlin-West auf die eigene Geschichte und Erinnerung berufen, und ihre genaue Beobachtungsgabe, ihr untrüglicher Sinn für Widersprüche, ihre pointierte Art des ironischen Formulierens prädestinieren sie geradezu für den kritischen, selbstkritischen Blick auf diese ganz besondere Stadt und ihre Bürger. Und dieser Blick ist in seiner Trockenheit immer auch sehr komisch.

Monika Maron: Geburtsort Berlin, 2003, 124 Seiten, S. Fischer Verlag, ISBN-10: 3100488180. Das Buch ist nicht mehr erhältlich.

Foto: S. Fischer Verlag

Link: „Eigentlich sind wir alle nett“ – Bericht über Monika Marons Band „Geburtsort Berlin“ auf Literaturkritik.de


10. Uwe Timm: Der Schatz auf Pagensand (2002)

Schatzsuche auf der Elbe! Als Benno, Georg, Jan und Jutta heimlich mit einem alten Segelboot aufbrechen, um auf einer der vielen unbewohnten Inseln einen längst vergessenen Schatz zu heben, werden sie in immer abenteuerlichere Geschehnisse verwickelt.

Uwe Timm: Der Schatz auf Pagensand, 2020, Erstveröffentlichung: 1995, 176 Seiten, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN: 978-3-423-76293-9

Foto: dtv Verlagsgesellschaft

Link: Blick ins Buch


11. Urs Widmer: Das Buch des Vaters (2003)

An seinem zwölften Geburtstag erhält Karl ein Buch, voll leerer Seiten, und Tag für Tag wird er daran schreiben, ein Leben lang. Doch nach seinem Tod verschwindet es, bevor es sein Sohn, wie es der Brauch ist, hätte lesen können. Also schreibt es der Sohn, der Ich-Erzähler, ein zweites Mal: das Buch des Vaters. Es ist die Aufzeichnung eines reichen Lebens, von der Liebe zum Leben und der Leidenschaft zu den Büchern bestimmt. Die vielleicht wunderbarste Fähigkeit des Vaters ist, sich und andere begeistern zu können. Im Geist lebt er mit Villon, Diderot und Stendhal – er übersetzt sie und viele andere –, in der wirklichen Welt fühlt er sich einer Gruppe junger Maler zugehörig, die zwar sehr verschieden malen, aber alle glühende Antifaschisten sind. Kein Wunder, dass auch er, während einer legendären Fastnacht im Jahr 1936, Kommunist wird. Allerdings, als er 1965 stirbt, ist er längst keiner mehr. ›Das Buch des Vaters‹ ist auch die Geschichte der politischen Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts. Und natürlich erzählt es auch die Geschichte der Frau, die er liebt – Claras, die im Zentrum des Romans ›Der Geliebte der Mutter‹ steht. Die gleiche Geschichte, verblüffend anders erzählt.

Urs Widmer: Das Buch des Vaters, 2004, 224 Seiten, Diogenes Verlag, ISBN: 978-3-257-23470-1

Foto: Diogenes Verlag

Link: Internetseite des Buches mit Lese- und Hörprobe


12. Lilian Faschinger: Frau mit drei Flugzeugen (2004)

Äußerlich scheint in diesen zehn Geschichten alles normal. Von Singles und Paaren ist die Rede, wie sie leben, arbeiten, sich vergnügen. Aber unter der Oberfläche spielen sich kleine Dramen ab – die Welt der Lilian Faschinger ist nicht geheuer.

Lilian Faschinger: Frau mit drei Flugzeugen, 1993, 178 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, ISBN: ISBN: 3462022806. Das Buch ist anscheinend nicht mehr lieferbar.

Cover: Dummy KNaZ

Link: Lilian Faschinger auf Wikipedia


13. Wladimir Kaminer: Mein deutsches Dschungelbuch (2005)

Mein deutsches Dschungelbuch von Wladimir Kaminer

Haben sie schon einmal vom geheimnisumwitterten Waldbröl, von Sömmerda, Weikersheim oder von Rotenburg an der Wümme gehört? Wladimir Kaminer hat diese und andere Orte der deutschen Provinz besucht. Mit klarem Blick, einem unverwüstlichen Sinn für Humor und mit viel Poesie nimmt er sich dieser exotischen Regionen an. Seine Geschichten sind voller Details und universeller Wahrheiten über das menschliche Dasein.

Wladimir Kaminer: Mein deutsches Dschungelbuch, 2003, 255 Seiten, Goldmann Verlag, ISBN 978-3-442-45945-2

Foto: Goldmann Verlag

Link: Gespräch mit Wladimir Kaminer: Über die „Hermannisierung“ der Russlanddeutschen und das „Experiment Heimat“, YouTube, 40 Minuten


14. Alex Capus: Fast ein bisschen Frühling (2006)

Fernweh und Heimweh zugleich – die Geschichte zweier Bankräuber, die 1933 aus Wuppertal nach Indien fliehen wollten, der Liebe wegen aber nur bis Basel kamen.

Zwei arbeitslose Burschen, Kurt Sandweg und Waldemar Velte, suchten im Winter 1933 den Seeweg von Wuppertal nach Indien. Um sich das Reisegeld zu beschaffen, überfielen sie eine Bank, wobei sie versehentlich den Filialleiter erschossen. Auf der Flucht vor ihren Verfolgern kamen sie nicht sehr weit: In Basel verliebte Kurt Sandweg sich in die Schallplatten-Verkäuferin Dorly Schupp. Tag für Tag kauften er und sein Freund eine Tango-Platte, bis das Geld aufgebraucht war und der nächste Banküberfall nötig wurde. Abend für Abend gingen die drei am Rhein spazieren. Mit von der Partie war die junge Sportartikelverkäuferin Marie Stifter, die dreißig Jahre später die Großmutter des Erzählers wurde und die sich entscheiden musste zwischen einem Bankräuber und ihrem Verlobten.

Alex Capus: Fast ein bisschen Frühling, 2005, 192 Seiten, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN: 978-3-423-13167-4

Foto: dtv Verlagsgesellschaft

Link: Kriminalhörspiel: „Fast ein bisschen Frühling“, YouTube, 54 Minuten


15. Ingo Schulze: Simple Stories: Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz (2007)

Das ostthüringische Altenburg – einst kaiserliche Pfalz und herzogliche Residenz, vergrößert durch Plattenbausiedlungen, umgeben von Chemie-Industrie, von Braunkohle- und Uranabbau, gesäumt von lieblicher Burgenlandschaft – ist der Schauplatz von Ingo Schulzes Roman. In 29 scheinbar »einfachen Geschichten«, in vielen kleinen Alltagsbegebenheiten, offenbart sich das Zusammenstürzen einer ganzen Welt, jener dramatische Bruch, der sich nach 1989 durch so viele ostdeutsche Biographien zieht. Ingo Schulze zeichnet seine von der Weltgeschichte überrumpelten Protagonisten mit unfehlbarer Präzision, mit Humor und Gefühl – und ganz ohne jedes Pathos.

Ingo Schulze: Simple Storys, ‎1999, 316 Seiten, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN: ‎ 978-3423127028. Das Buch ist anscheinend nicht mehr lieferbar.

Cover: Dummy KNaZ

Link: Lesung auf Spotify, ca. 10 Stunden


16. John von Düffel: Houwelandt (2008)

Familiengeschichte als Generationengeschichte: John von Düffel erzählt in seinem neuen Roman mit dramatischer Raffinesse von den de Houwelandts – von vier bewegenden Gestalten aus drei Generationen. Großvater Jorge, ein asketischer Gottsucher, sieht nach einem mit unerbittlichem Stolz gelebten Leben an der Seite seiner Frau Esther seinem achtzigsten Geburtstag entgegen. Den Familiensitz im Norden Deutschlands haben die beiden Houwelandts mit der spanischen Küste vertauscht – denn »was Jorge brauchte, war das Meer«. Das Elternhaus aus der Vorgründerzeit verwaltet der »Erstgeborene«, sein Sohn Thomas, der am väterlichen Starrsinn zu zerbrechen droht. Dessen einziger Sohn Christian, »Erstgeborener des Erstgeborenen«, hat den Großvater kaum je kennen gelernt und möchte allen familiären Verlegenheiten, Verlogenheiten und Verstrickungen aus dem Wege gehen. Jorges Frau Esther plant, den großen Geburtstag des Patriarchen in Deutschland zu feiern, um die versprengte Familie noch einmal zusammenzubringen. Je näher das Fest rückt, desto verzweifelter kämpfen die de Houwelandts um die eigene Wahrheit, um Recht und Unrecht in der Vergangenheit. Jorge und Esther, Thomas und Christian und ihre Frauen müssen dabei erfahren, dass ihre Wahrheit nur eine Version ist. Hinter den gegenseitigen Angriffen und Abgrenzungen der Generationen werden die gemeinsamen Muster und Wurzeln sichtbar, die sich dem Einzelnen entziehen – wie ein unentrinnbarer Rest von Schicksal. John von Düffels ›Houwelandt‹ erzählt in packender Prosa von der Suche einer Familie nach Klarheit und Wahrheit in Zeiten, in denen der Einzelne erst allmählich wieder lernt, was ein Generationen übergreifendes Leben bedeuten kann.

John von Düffel: Houwelandt, 2014, 316 Seiten, Dumont, ISBN 978-3-8321-8808-5

Foto: Dumont

Link: Video „Zehn Minuten mit … John von Düffel“, YouTube, 10 Minuten


17. Katja Lange-Müller: Böse Schafe (2009)

»Wie ich vor vielen Jahren war: jünger, schöner und meistens neben dir.« Westberlin im Jahr 1987: Soja, gelernte Setzerin, Republikflüchtling, Aushilfsblumenhändlerin mit weitem Herzen, trifft Harry, groß, frei, still-entschlossen, abgründige Vergangenheit, düstere Zukunft. Und fortan bestimmt sein Schicksal ihr Leben. Geblieben ist ein Schulheft mit undatierten Einträgen, genau neunundachtzig Sätze, in denen Harry festhielt, was ihn beschäftigte, während er mit Soja zusammen war. Vieles kommt vor, eine fehlt: Soja. Jahre später macht sie sich daran, die gemeinsame Geschichte zu erzählen und die Leerstelle zu füllen, die Harry hinterließ. Sie erinnert sich an den Mann, der sie durch seine Entschiedenheit beeindruckt, gleich anfangs mit einem Geschenk verstört und ihr Herz mit einem Kinderkuss erobert hat – und um den sie sich leidenschaftlich und wider alle Vernunft bemüht. Obwohl er sich in jeder Hinsicht bedeckt hält, gibt Harry einiges preis: nach einem Raubüberfall zehn Jahre im Knast, auf Bewährung draußen, Bewährungsauflagen verletzt, weil Drogentherapie abgebrochen, angewiesen auf neue Maßnahme, sonst umgehende Inhaftierung. Und das bringt Soja nicht gegen ihn auf, sondern auf Trab. Sie organisiert eine neue Therapie, verpflichtet ihre wenigen Freunde zu einer lückenlosen Begleitung und ignoriert doch alle Indizien dafür, dass Harry ihr manches verschwiegen hat. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis die nächste Bombe platzt.

Katja Lange-Müller: Böse Schafe, 2007, 208 Seiten, Kiepenheuer&Witsch, ISBN: 978-3-462-03914-6

Foto: Kiepenheuer&Witsch

Link: Literaturkritik.de: Am anderen Ende des Teleskops – Eine Liebe aus Nichts: Katja Lange-Müllers Sucht- und Sehnsuchtsroman „Böse Schafe“


18. Thomas Glavinic: Wie man leben soll (2010)

Karl »Charlie« Kolostrum ist jung und stellt sich die entscheidende Frage, wie man eigentlich leben soll. Als Teil einer völlig überspannten Familie und Sohn einer Mutter, deren Neigung zu Alkohol und Promiskuität den Vater beizeiten verjagte, war er früh sich selbst überlassen und beschäftigte sich hauptsächlich mit der eigenen Person und ihrer Wirkung auf andere. Jetzt scheint es ihm an der Zeit, ein paar Lebensregeln aufzustellen …

Thomas Glavinic: Wie man leben soll, 2010, 240 Seiten, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN: 978-3-423-13903-8

Foto: dtv Verlagsgesellschaft

Link: Filmtrailer


19. Katharina Hacker: Die Erdbeeren von Antons Mutter (2011)

Anton ist Arzt in Kreuzberg, mit Sorge sieht er, wie seine Mutter, die in der niedersächsischen Provinz lebt, gegen eine schnell fortschreitende Demenz kämpft. Jedes Jahr schickt sie ihm und seinen Freunden Erdbeermarmelade nach Berlin. Die Erdbeeren wachsen auf dem »Acker«, wie sie ihren Garten nennt, den sie ihr Leben lang mit Hingabe gepflegt hat. Aber in diesem Jahr hat sie die Erdbeeren vergessen. Anton muss erkennen, wie seine Mutter ihm Stück für Stück verloren geht, und mit jeder ihrer Niederlagen verschwindet ein Teil seiner eigenen Existenz: Das vertraute Land der Kindheit. Dann trifft er Lydia und findet nach Jahren des Alleinseins jemanden, mit dem Liebe möglich zu sein scheint. Aber Lydia bringt eine Vergangenheit mit, die in beider Leben mit Vehemenz einbricht. In diesem vielstimmigen Roman gelingt Katharina Hacker das einfühlsame Porträt von Menschen, die zurückblicken müssen, um weitergehen und die zweite Lebenshälfte gestalten zu können. Selten ist so eindringlich über den Verlust einer Welt und den Gewinn einer neuen geschrieben worden.

Katharina Hacker: Die Erdbeeren von Antons Mutter, 2012, 176 Seiten, FISCHER Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-18763-8

Foto: FISCHER Taschenbuch

Link: Leseprobe


20. Clemens Meyer: Als wir träumten (2012)

Nach den Kinderspielen kommen die Kämpfe: Rico, Mark, Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, zwischen Autoklau, Alkohol und Angst, zwischen Wut und Zerstörung. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie klauen, sie fahren ihr Leben gegen die Wand. Sie sind frei und dem Leben ausgeliefert. Mit direkter, wütender, sensibler und authentischer Stimme erzählt dieser Roman von dem Traum, dass irgendwo ein besseres Leben wartet.

Clemens Meyer: Als wir träumten, 2007, 528 Seiten, FISCHER Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-17305-1

Foto: FISCHER Taschenbuch

Link: Buchbesprechung auf Ö1


21. Monika Cantieni: Grünschnabel (2013)

»Mein Vater hat mich für 365.- Franken von der Stadt gekauft.« So beginnt die Geschichte eines Kindes, das, zur Adoption freigegeben, bei neuen Eltern im Immigrantenmilieu der 1970er Jahre landet. Inmitten dieser bunt gemischten Umgebung versucht das Kind Fuß zu fassen und sich, mit Hilfe einer Wörtersammlung in vielen Streichholzschachteln, zurechtzufinden. Was nicht so einfach ist; und richtig groß werden die Probleme, als es beim italienischen Gastarbeiter im Kleiderschrank eine Entdeckung macht, die eine Lawine auslöst.

Grünschnabel besticht durch ungewöhnlichen Bilderreichtum, eine eigenwillige Erzählweise und lakonische Dialoge. Monica Cantieni wurde für diesen Roman vom Aargauer Kuratorium gefördert. Felicitas Hoppe urteilte als Mitglied der Jury: »Der tragisch-komische Ton bricht mit vertrauten realistischen Erzählmustern und öffnet, Traditionen osteuropäischer Literatur folgend, bei aller Zeitgenossenschaft imaginäre Räume jenseits von Ort und Zeit.«

Monika Cantieni: Grünschnabel, 2011, 240 Seiten, Verlag Schöffling & Co., ISBN: 978-3-89561-345-6

Foto: Verlag Schöffling & Co.

Link: Hörprobe


22. Michael Köhlmeier: Madalyn (2014)

Sebastian Lukasser, Schriftsteller, kennt Madalyn seit ihrem fünften Lebensjahr. Sie kann ihm Dinge anvertrauen, die ihre Eltern nicht verstehen würden. Jetzt ist sie vierzehn und erlebt ihre erste, ausweglos komplizierte Liebesgeschichte. Kompliziert, weil Moritz alles andere als ein leichter Fall ist – er wurde bei einem Einbruch erwischt und ist ein notorischer Lügner. Oder spricht er vielleicht doch die Wahrheit? Michael Köhlmeiers Roman über Madalyn und Moritz ist eine herzzerreißende Erzählung über die erste Liebe und große Gefühle.

Michael Köhlmeier: Madalyn, 2010, 176 Seiten, Hanser Literaturverlage, ISBN 978-3-446-23597-7

Foto: Hanser Literaturverlage

Link: Michael Köhlmeier liest beim O-Töne Literturfestival, Sommer 2010, YouTube, 3 Minuten, 20 Sekunden


23. Hanns-Josef Ortheil: Die Erfindung des Lebens (2015)

In seinem neuen, autobiographisch inspirierten Roman erzählt Hanns-Josef Ortheil die Geschichte eines jahrelang stummen Kindes, dessen Eltern im Krieg und in der Nachkriegszeit vier Söhne verloren haben. Zusammen mit der ebenfalls stummen Mutter wächst es in einer künstlichen Schutzzone auf, aus der es sich erst langsam durch das geliebte Klavierspiel und den unorthodoxen Sprachunterricht des Vaters befreien kann. Doch die Befreiung ist schmerzhaft. Sie führt den Jungen auf lange, einsame Reisen durch Deutschland und in einem letzten Befreiungsakt schließlich nach Rom. Dort wird er ein erfolgreicher Pianist, der Freundschaften schließt und sogar ein Liebesverhältnis eingeht. Diese Bindungen aber zerreißen, und auch die Pianistenkarriere muss aufgegeben werden. Nach der Rückkehr nach Deutschland macht ihm ein früherer Lehrer den faszinierenden Vorschlag, es mit dem Schreiben zu versuchen …

Hanns-Josef Ortheil: Die Erfindung des Lebens, 2009, 592 Seiten, Penguin Random House Verlagsgruppe, ISBN: 978-3-630-87296-4

Foto: Penguin Random House Verlagsgruppe

Link: Hanns-Josef Ortheil über „Die Erfindung des Lebens“, Video, YouTube, 10 Minuten


24. Peter Stamm: Der Lauf der Dinge (2016)

Peter Stamm erzählt gelassen und mit großer Präzision, mit wenigen Worten entfaltet er Welten: Momentaufnahmen eines Glücks entstehen oder der Sehnsucht nach Veränderung. Seine Figuren erleben Enttäuschungen und Wunder. Und in wenigen Sätzen und bewegenden Bildern entstehen Augenblicke größter Intensität.

»So wird der Dichter der Dunkelheiten und Unwägbarkeiten, der Schilderer schiefer Liebesbeziehungen zu einem bewegenden Deuter heutiger Befindlichkeiten.«
Beatrice von Matt, Neue Züricher Zeitung

Peter Stamm: Der Lauf der Dinge, 2016, 560 Seiten, Fischer Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-03117-7

Foto: Fischer Taschenbuch

Link: Leseprobe


25. Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen (2017)

In einem griechischen Bergdorf deutet Yiayia Maria die Zeichen falsch und stürzt gleich mehrere Generationen ihrer Familie ins Unglück. In einer niedersächsischen Kleinstadt entdeckt ihr Enkel die Erotik der deutschen Sprache. Seine Cousine bekommt in einer stürmischen Nacht eine Tochter, die mit einer Glückshaube geboren wird. In der österreichischen Provinz wird derweil erbittert um die Vorherrschaft in der Fußgängerzone gekämpft, in einer Schweizer Metropole mit Ameisen und Heuschrecken gegen die Sehnsucht angekocht. Und auf einer Insel in Form eines Hirschkäfers sucht ein arbeitsloser Gewerkschafter verzweifelt nach seinem Ehering, während ein skurriler Schlagerstar die Frau wiederfindet, die er vor vierzig Jahren verlor. In ihrem zweiten Roman erzählt Vea Kaiser mit furioser Fabulierlust und hinreißender Tragikomik von der Glückssuche einer griechischen Familie und deren folgenreichen Katastrophen, von Helden und Herzensbrechern und solchen, die es gern wären.

Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen, 2016, 464 Seiten, KiWi-Taschenbuch, ISBN: 978-3-462-04928-2

Foto: KiWi-Taschenbuch

Link: Video „Zu Gast: Vea Kaiser“, YouTube, 10 Minuten, 17 Sekunden


26. Karin Kalisa: Sungs Laden (2018)

Der Bestseller von Karin Kalisa ist ein Sommer-Roman mit Tiefgang für jede Lebenslage. Mit Wärme, Witz und Lust an kleinen Wundern erzählt Karin Kalisa von traumhaften Verwandlungen im Berlin unserer Tage. Ausgehend vom kleinen vietnamesischen Laden des studierten Archäologen Sung nimmt eine Völkerverständigung der ganz eigenen Art ihren Lauf. Urberliner und Nachkommen der vietnamesischen Vertragsarbeiter verbünden sich in einer spielerischen Alltagsrevolution: Brücken aus Bambus spannen zwischen den Häusern, Parkwächter tragen Kegelhüte, auf Brachflächen grünt exotisches Gemüse, und ein Zahnarzt macht Sonntagsdienst für Patienten aus Fernost. Das Unglaubliche geschieht: Gute Laune herrscht in der Metropole! Eine Utopie, natürlich. Aber von unserer Gegenwart gar nicht so weit entfernt.

„So leicht und beschwingt erzählt, so wohltuend warmherzig, dass man sich fragt, warum es eigentlich nicht häufiger solche wunderbaren kleinen Bücher gibt.“ Jan Ehlert, NRD Kultur

Karin Kalisa: Sungs Laden, 2017, 256 Seiten, Droemer Taschenbuch, ISBN: 978-3-426-30566-9

Foto: Droemer Taschenbuch

Link: Mein Literaturkreis.de: Fragen an Karin Kalisa zu ihrem Buch „Sungs Laden“


27. Rolf Lappert: Das Wunder von Kalifornien (in „Folge deinem Traum“ von Michael Krüger (Hrsg.), 2019)

„Stuart Weaver erschrak nicht, als das Licht ausging. Auch nicht, als die ersten Stöße des Bebens die Bücher aus den Regalen warfen. Er setzte sich unter einen der Schreibtische und wartete. Die nächsten Wellen erschütterten Boden und Wände, es regnete noch mehr Bücher, die Regale und Karteischränke kippten und landeten krachend auf den Monitoren und Tastaturen, den Telefonapparaten und Wasserspendern, den Druckern und Fotorahmen und Kaffeetassen. Weaver hörte die Stockwerke über sich einstürzen, ein dumpfes Grollen wie von vereistem Schnee, der über ein Dach rutscht. Alles ging sehr schnell, dann herrschte Stille.“ (Quelle: https://literaturblatt.ch/rolf-lappert-das-wunder-von-kalifornien-plattform-gegenzauber/)

Rolf Lappert: Das Wunder von Kalifornien, in „Folge deinem Traum“ von Michael Krüger (Hrsg.)), 2013, 272 Seiten, Hanser Verlag, ISBN: 978-3-446-24318-7

Foto: Hanser Verlag

Link: Beitrag auf literaturblatt.ch


28. Reinhard Kaiser-Mühlecker: Enteignung (2020)

Nach seinem erfolgreichen Roman ›Fremde Seele, dunkler Wald‹, der auf der Shortlist des deutschen Buchpreises stand, schreibt Reinhard Kaiser-Mühlecker über die Umbrüche unserer Gegenwart. Nach Jahren auf Reisen kehrt ein Journalist in den Ort seiner Kindheit zurück, an dem er nie heimisch war. Er schreibt für das kriselnde Lokalblatt, er beginnt eine Affäre und arbeitet auf dem Hof eines Mastbauern, dessen Land enteignet wurde. Rätselhaft und faszinierend sind sie, Ines, Hemma, Flor, und sie ziehen ihn hinein in die Kämpfe um ihr Leben, das ihnen weggenommen wird. Ein existentieller und aufwühlender Roman darüber, wie diese Welt im Umbruch unsere Gefühle und Beziehungen verändert. Reinhard Kaiser-Mühlecker erzählt von einer Zeit tiefer Verunsicherung – er erzählt von unserer Gegenwart.

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Enteignung, 2020, 224 Seiten, FISCHER Taschenbuch, ISBN: 978-3-596-70383-8

Foto: FISCHER Taschenbuch

Link: Podcast „Ihn quält nichts und ihn macht nichts froh“ auf Deutschlandfunk Kultur vom 11. April 2019, 7 Minuten


29. Kristin Höller: Schöner als überall (2020)

Es beginnt wie ein Roadmovie. Im gemieteten Transporter fahren Martin und sein bester Freund Noah über die Autobahn. Auf der Ladefläche der Speer der bronzenen Athene vom Münchner Königsplatz, Trophäe einer rauschhaften Sommernacht. Sechs Stunden später sind sie zurück an den Orten ihrer Kindheit: Die Spielstraßen, die Fenchelfelder, die Kiesgrube haben sie vor Jahren hinter sich gelassen. Auch Mugo ist zurück, die kluge, wütende Mugo, die immer vom Ausbruch aus der Provinz geträumt und Martin damit angesteckt hat. Sie wollte raus aus der Kleinstadt, aus dem Plattenbau mit Blick auf Einfamilienhäuser und Carports. Nun arbeitet sie an der Tankstelle am Ortseingang und will nichts mehr von Martin wissen. Sogar Noah wird ihm in der vertrauten Umgebung immer fremder. Auf sich allein gestellt, ist Martin gezwungen, das Verhältnis zur eigenen Herkunft zu überdenken.

Kristin Höller: Schöner als überall, 2019, 219 Seiten, Suhrkamp Verlag, ISBN: 978-3-518-46995-8

Foto: Suhrkamp Verlag

Link: Kristin Höller über »Schöner als überall«, YouTube, 6 Minuten


30 Jonas Lüscher und Michael Zichy (Herausgeber) Der populistische Planet – Berichte aus einer Welt in Aufruhr (2022)

Hat die „Elite“ tatsächlich den Kontakt zum „Volk“ verloren? Was bedeutet es wirklich, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen? Was verbirgt sich hinter der Floskel „Das muss man doch noch sagen dürfen“? Eine internationale Gruppe von Denkerinnen und Denkern stellt die gängigen Erzählungen der Populisten in unterschiedlichen Ländern zur Debatte.

Rechte und linke Populisten auf der ganzen Welt eint dieselbe Erzählung: Der Staat befinde sich in der Hand einer abgehobenen, globalistisch denkenden, meist urbanen Elite, die den Kontakt zu den „normalen“ Bürgerinnen und Bürgern längst verloren habe und die alltäglichen Sorgen des „Volkes“ gar nicht mehr nachvollziehen könne. Sie aber, die Populisten, gehörten nicht zu dieser Elite und sie würden daher als einzige die Ängste der Bürgerinnen und Bürger verstehen, offen artikulieren und ernst nehmen. Der Schriftsteller Jonas Lüscher und der Philosoph Michael Zichy haben eine diverse Gruppe zusammengestellt, um den Gemeinsamkeiten, aber auch den Unterschieden zwischen den vielen Erscheinungsformen des Populismus unter den Vorzeichen unterschiedlicher gesellschaftlicher, ökonomischer und religiöser Bedingungen nachzuspüren. In globalen Gesprächen zwischen Budapest, Kairo, Brasilia, Nairobi, Moskau, Salzburg und Zürich ist so ein Buch über einen populistisch infizierten Planeten entstanden. Es zeigt, warum sich die Welt vielerorts in Aufruhr befindet – und was es konkret bedeutet, in einem bestimmten Land unter einer populistischen Regierung leben zu müssen. Mit Beiträgen von Jonas Lüscher, Michael Zichy, Maria Stepanova, Youssef Rakha, Yvonne Owuor, Carol Pires, Naren Bedide und Ágnes Heller.

Jonas Lüscher und Michael Zichy (Herausgeber) Der populistische Planet – Berichte aus einer Welt in Aufruhr, 2021, 191 Seiten, C.H. Beck, München 2021, ISBN: 978-3-406-76705-0

Foto: Verlag C. H. Beck

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